Laborbefund lesen: Referenzbereiche und auffällige Werte
Welche Angaben stehen auf einem Laborbefund?
Ein Laborbefund enthält üblicherweise den Namen des untersuchten Werts, das Messergebnis, die Einheit und einen Referenzbereich. Hinzu kommen Angaben zur Person, zur Probe und zum Zeitpunkt der Abnahme. Kommentare des Labors können erklären, warum ein Ergebnis nur eingeschränkt verwendbar ist.
Vor dem Vergleich einzelner Zahlen sollte deshalb geprüft werden, ob Name und Abnahmedatum stimmen und welches Material untersucht wurde. Ein Wert aus Serum, Vollblut oder Urin ist nicht automatisch mit einem gleich benannten Wert aus einer anderen Probe vergleichbar.
Abkürzungen können je nach Labor variieren. Beispielsweise steht Hb für Hämoglobin und TSH für das Steuerhormon der Schilddrüse. Wenn eine Bezeichnung unklar ist, hilft die vollständige Parameterbezeichnung mehr als die Suche nach einer vermeintlich passenden Zahl im Internet.
Was sagt der Referenzbereich aus?
Ein Referenzbereich beschreibt, welche Ergebnisse bei einer ausgewählten Vergleichsgruppe zu erwarten sind. Bei vielen Messgrößen umfasst er die mittleren 95 Prozent der Ergebnisse gesunder Vergleichspersonen. Damit können auch gesunde Menschen einen Wert außerhalb dieses Bereichs haben.
Referenzbereiche können sich nach Messmethode, Alter, Geschlecht oder Schwangerschaft unterscheiden. Maßgeblich ist zunächst der Bereich auf dem eigenen Laborbefund. Tabellen anderer Anbieter sind nicht ohne Prüfung übertragbar.
Ein Ergebnis innerhalb des Bereichs schließt umgekehrt nicht jede Erkrankung aus. Entscheidend sind auch Beschwerden, Vorerkrankungen und die Frage, wie gut ein bestimmter Test die vermutete Erkrankung überhaupt erfassen kann. Die Bezeichnung „Normalwert“ kann daher mehr Sicherheit vermitteln, als ein einzelnes Ergebnis tatsächlich bietet.
Referenzwert, diagnostischer Grenzwert und Therapieziel
Auf Befunden und in Ratgebern begegnen einem unterschiedliche Arten von Grenzen:
- Referenzbereich: beschreibt die Verteilung von Werten in einer festgelegten Vergleichsgruppe.
- Diagnostischer Grenzwert: hilft bei der Einordnung einer Erkrankung. Je nach Test sind Bestätigungsmessungen und weitere Kriterien erforderlich.
- Therapieziel: legt fest, welcher Wert bei einer bestimmten Person durch eine Behandlung angestrebt wird.
Beim HbA1c wird beispielsweise zwischen Kriterien zur Diabetesdiagnose und individuellen Behandlungszielen unterschieden. Bei LDL-Cholesterin hängt der angestrebte Wert vom Herz-Kreislauf-Risiko ab. Derselbe Messwert kann deshalb für zwei Menschen unterschiedliche Konsequenzen haben.
Bevor eine Zahl als „zu hoch“ oder „gut“ eingeordnet wird, muss klar sein, welche Art von Grenze gemeint ist.
Einheiten und Verlauf: Wann sind Zahlen vergleichbar?
Einheiten gehören untrennbar zum Ergebnis. Ein Hämoglobinwert von 14 g/dl entspricht 140 g/l. Die zweite Zahl ist größer, obwohl dieselbe Konzentration beschrieben wird. Bei Ferritin sind 1 µg/l und 1 ng/ml zahlenmäßig gleichwertig. Solche Umrechnungen dürfen aber nicht pauschal auf andere Einheiten übertragen werden.
Für einen Verlauf sollten möglichst dieselbe Messmethode und vergleichbare Abnahmebedingungen vorliegen. Tageszeit, Flüssigkeitshaushalt, Infekte, körperliche Belastung und Medikamente können je nach Messgröße Unterschiede erklären. Auch die Messung selbst hat eine begrenzte Präzision.
Ein Wert, der knapp über eine Grenze steigt, belegt daher nicht automatisch eine Verschlechterung. Hilfreich ist eine Übersicht mit Datum, Ergebnis, Einheit, Referenzbereich und wichtigen Begleitumständen. Größere oder anhaltende Veränderungen können bedeutsamer sein als eine einzelne geringfügige Abweichung.
Was bedeuten Sternchen, Pfeile und Laborhinweise?
Sternchen, Pfeile oder Kennzeichnungen wie H und L markieren häufig Ergebnisse außerhalb des hinterlegten Bereichs. Sie geben nicht zuverlässig an, wie dringend ein Befund ist. Ein Laborhinweis zu einer hämolytischen Probe bedeutet beispielsweise, dass rote Blutkörperchen in der Probe zerfallen sind. Dadurch können bestimmte Messwerte verfälscht werden.
Bei der Besprechung helfen vier Fragen: Passt die Abweichung zu den Beschwerden? Könnte die Probenqualität oder ein Medikament beteiligt sein? Ist eine Kontrolle erforderlich? Welche Konsequenz hätte ein bestätigter Befund?
Ausgeprägt auffällige oder vom Labor als kritisch bezeichnete Werte müssen rasch ärztlich eingeordnet werden. Bei schweren Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot oder Bewusstseinsstörungen ist unabhängig von einem Laborzettel sofort medizinische Hilfe nötig. Leicht abweichende Werte ohne Beschwerden lassen sich häufig in einem regulären Termin besprechen; die Dringlichkeit sollte die behandelnde Praxis beurteilen.