HbA1c: Langzeitblutzucker verstehen und richtig einordnen
Was ist HbA1c und wie entsteht er?
HbA1c, auch glykiertes Hämoglobin oder Langzeitblutzucker genannt, entsteht, wenn Glukose sich im Blut an das Hämoglobin der roten Blutkörperchen bindet. Dieser Vorgang heißt Glykierung und ist irreversibel: Einmal gebundene Glukose verbleibt für die gesamte Lebensdauer des Erythrozyten am Hämoglobin.
Da rote Blutkörperchen etwa 90 bis 120 Tage im Blut zirkulieren, spiegelt der HbA1c-Wert den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen 8 bis 12 Wochen wider. Ein hoher Blutzucker über diesen Zeitraum führt zu mehr Glykierung und damit zu einem höheren HbA1c-Wert.
Vorteile gegenüber dem Nüchternblutzucker
Der Nüchternblutzucker ist eine Momentaufnahme und kann durch akute Einflüsse schwanken. HbA1c hat dagegen mehrere Vorteile:
- Keine Nüchternheit erforderlich
- Bildet die mittlere Blutzuckerbelastung über mehrere Wochen ab
- Weniger anfällig für kurzfristige Schwankungen
- Guter Marker für die Beurteilung der langfristigen Diabeteskontrolle bei bekannter Erkrankung
HbA1c hat jedoch Grenzen. Erkrankungen mit veränderter Lebensdauer der roten Blutkörperchen können das Ergebnis verfälschen, zum Beispiel Eisenmangelanämie und hämolytische Anämien. Auch Hämoglobinvarianten können je nach Messmethode stören.
Referenzwerte und Interpretation
HbA1c wird entweder in Prozent oder in mmol/mol angegeben. Beide Einheiten sind gebräuchlich:
- Unter 5,7 % (unter 39 mmol/mol): unterhalb des Bereichs für Prädiabetes
- 5,7 bis 6,4 % (39 bis 47 mmol/mol): erhöhtes Diabetesrisiko, häufig als Prädiabetes bezeichnet
- Ab 6,5 % (ab 48 mmol/mol): diagnostischer Bereich für Diabetes mellitus
Ein auffälliger Wert wird ohne eindeutige Symptome in der Regel durch eine zweite Messung oder einen anderen Glukosetest bestätigt. Bei bekanntem Typ-2-Diabetes wird der Zielwert individuell festgelegt und liegt häufig unter 7,0 % (53 mmol/mol).
Wann verfälscht etwas den HbA1c-Wert?
Der HbA1c kann in bestimmten Situationen falsch hoch oder falsch niedrig ausfallen:
- Möglicherweise zu hoch: unter anderem bei Eisenmangel oder verminderter Neubildung roter Blutkörperchen
- Möglicherweise zu niedrig: unter anderem bei Hämolyse, starkem Blutverlust oder kurz nach einer Bluttransfusion
- Methodenabhängige Abweichungen: bei bestimmten Hämoglobinvarianten
Auch Schwangerschaft, Nierenerkrankungen und Medikamente können die Beziehung zwischen HbA1c und tatsächlichem Blutzucker verändern. In solchen Situationen werden zur Diagnose meist Plasmaglukosewerte oder ein oraler Glukosetoleranztest herangezogen.
Wer sollte HbA1c regelmäßig messen lassen?
Eine regelmäßige HbA1c-Kontrolle ist sinnvoll bei:
- Bekanntem Diabetes mellitus zur Verlaufsbeurteilung (alle 3 bis 6 Monate)
- Bestehenden Risikofaktoren: Übergewicht, familiäre Vorbelastung, Bewegungsmangel, erhöhter Nüchternblutzucker
- Vorhandenem metabolischen Syndrom
- Ärztlich festgestelltem erhöhtem Diabetesrisiko
Gesetzlich Krankenversicherte ab 35 Jahren haben alle drei Jahre Anspruch auf den Gesundheits-Check-up. Dabei wird unter anderem der Nüchternblutzucker untersucht. Ob zusätzlich HbA1c sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab.