Selen: Funktionen, Versorgung und sichere Supplementierung
Was ist Selen und wozu braucht der Körper es?
Selen ist ein essenzielles Spurenelement, das als Bestandteil von Selenoproteinen im Körper wirkt. Diese Proteine erfüllen grundlegende Funktionen:
- Antioxidativer Schutz: Glutathionperoxidasen (selenabhängige Enzyme) neutralisieren Wasserstoffperoxid und schützen Zellen vor oxidativem Schaden.
- Schilddrüsenhormon-Aktivierung: Deiodinasen, die unter anderem T4 in das wirksamere T3 umwandeln, sind selenabhängig.
- Immunfunktion: Selen unterstützt die Proliferation von Immunzellen und die Antikörperproduktion.
- Reproduktionsfunktion: Selen ist für die Spermienbildung und Spermienqualität relevant.
Wer hat ein erhöhtes Risiko für Selenmangel?
Der Selengehalt pflanzlicher Lebensmittel hängt stark vom Boden ab. Europäische Böden enthalten im Vergleich zu manchen anderen Regionen weniger Selen. Ein ernährungsbedingter klinischer Mangel ist in Europa dennoch selten.
Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem bei Erkrankungen mit verminderter Aufnahme oder erhöhten Verlusten, zum Beispiel chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Mukoviszidose, Niereninsuffizienz oder Dialyse. Bei veganer Ernährung gilt Selen als potenziell kritischer Nährstoff.
Symptome eines Selenmangels
Leichter Selenmangel verläuft meist symptomlos. Bei stärkerem Mangel können folgende Beschwerden auftreten:
- Muskelschwäche und Muskelschmerzen
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Störungen der Muskelfunktion
- Beeinträchtigte Immunfunktion
- Bei schwerem Mangel (selten in Europa): Keshan-Krankheit (Herzmuskelerkrankung), bekannt aus Selenmangelregionen in China
Referenzwerte und Labordiagnostik
Selen kann im Serum, Plasma oder Vollblut gemessen werden. Die Ergebnisse sind nicht direkt austauschbar. Vollblut reagiert langsamer auf kurzfristige Veränderungen, während Serum oder Plasma stärker die aktuelle Versorgung abbilden. Maßgeblich ist der Referenzbereich des jeweiligen Labors.
- Niedrige Werte: können auf eine unzureichende Versorgung oder erhöhte Verluste hinweisen
- Hohe Werte: können durch hoch dosierte Präparate oder sehr selenreiche Lebensmittel entstehen
Einen allgemein anerkannten "Optimalwert" speziell für die Schilddrüse gibt es nicht. Der Laborwert sollte zusammen mit Ernährung, Erkrankungen und eingenommenen Präparaten beurteilt werden.
Selen über Ernährung und Supplementierung
Ernährungsquellen: Zu den Selenquellen gehören Fisch, Fleisch, Eier, Kohl- und Zwiebelgemüse, Pilze und Hülsenfrüchte. Paranüsse können sehr viel Selen enthalten, der Gehalt schwankt jedoch stark. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät zu höchstens zwei Paranüssen am Tag.
Supplementierung: Eine zusätzliche Einnahme ist nicht pauschal erforderlich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 40 µg Selen pro Tagesdosis vor. Höhere Dosierungen sollten nur nach ärztlicher Empfehlung und unter Berücksichtigung der gesamten Zufuhr eingenommen werden.