Nierenwerte im Blut: Was Kreatinin, Cystatin C und GFR über deine Nierenfunktion sagen

Was machen die Nieren und warum sind Nierenwerte wichtig?

Die Nieren filtern täglich etwa 180 Liter Primärharn aus dem Blut und scheiden Stoffwechselprodukte, überschüssige Salze und Wasser als Urin aus. Sie regulieren Blutdruck, Elektrolythaushalt und die Produktion des Hormons Erythropoetin, das die Blutbildung steuert. Eine gute Nierenfunktion ist Voraussetzung für die Ausscheidung vieler Medikamente und Abbauprodukte.

Chronische Nierenerkrankungen (CKD) verlaufen oft jahrelang symptomlos. Wenn Symptome wie Wassereinlagerungen, Blutarmut oder stark erhöhte Blutdruckwerte auftreten, ist die Nierenfunktion oft schon erheblich eingeschränkt. Regelmäßige Kontrollen der Nierenwerte sind daher sinnvoll, besonders bei Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck oder familiärer Nierenerkrankung.

Chronische Nierenerkrankungen betreffen schätzungsweise 10 % der deutschen Bevölkerung, die meisten Betroffenen wissen es nicht. Viele wissen nicht, dass sie zu einer Risikogruppe gehören.

Kreatinin: Der am häufigsten gemessene Nierenwert

Kreatinin ist ein Abbauprodukt des Kreatinstoffwechsels in der Muskulatur. Es wird überwiegend aüber die Nieren ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion steigt der Kreatininspiegel im Blut an.

Wichtige Einschränkung: Der Kreatininwert ist stark von der Muskelmasse abhängig. Eine muskelreiche Person hat von Natur aus höhere Kreatininspiegel als eine Person mit wenig Muskelmasse. Daher ist Kreatinin allein nur eingeschränkt aussagekräftig, er sollte immer zur Berechnung der eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) verwendet werden.

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Cystatin C: Der präzisere Nierenwert

Cystatin C ist ein Protein, das in allen kernhaltigen Körperzellen produziert und ebenfalls nur über die Nieren ausgeschieden wird. Es hat gegenüber Kreatinin einen entscheidenden Vorteil: Die Produktion ist weitgehend unabhängig von Muskelmasse und weniger stark von Alter und Geschlecht beeinflusst, was Cystatin C zu einem präziseren und frühzeitigeren Marker für Nierenerkrankungen macht.

Cystatin C ist besonders wertvoll bei:

Cystatin C kann im Blut ansteigen, bevor Kreatinin sich verändert. Es ist damit ein frühzeitigerer Indikator für eine sich entwickelnde Niereninsuffizienz.

Was ist die eGFR?

Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) gibt an, wie viel Blut die Nierengefäßknäuel (Glomeruli) pro Minute filtern. Sie ist der wichtigste klinisch verwendete Funktionsparameter der Nieren. Da die direkte Messung aufwändig ist, wird sie in der Praxis aus Kreatinin (und/oder Cystatin C), Alter und Geschlecht geschätzt, daher "eGFR" (estimated GFR).

Einteilung der chronischen Nierenerkrankung (CKD-Stadien) nach eGFR:

Risikofaktoren und Prävention

Die häufigsten Ursachen chronischer Nierenerkrankungen in Deutschland sind Diabetes mellitus und Bluthochdruck, beide können die Nierengefäße langfristig schädigen. Weitere Risikofaktoren:

Prävention umfasst: ausreichend Trinken (individuell, meist etwa 1,5–2 Liter täglich, abhängig von Aktivität und Klima), Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle, sparsamer Einsatz von NSAR-Schmerzmitteln, kein Rauchen und regelmäßige Kontrolle der Nierenwerte bei Risikopersonen.

Häufige Fragen

Kann ich meine Nierenwerte als Selbstzahler bestimmen lassen?
Ja. Kreatinin und Cystatin C können in einem Direktlabor oder in einer Arztpraxis ohne Überweisung als Selbstzahlerleistung bestimmt werden. Labguide zeigt dir den GOÄ-Richtwert für Cystatin C und Labore in deiner Nähe.
Wann sollte ich besonders auf meine Nierenwerte achten?
Regelmäßige Nierenwert-Kontrollen sind empfehlenswert bei Diabetes, Bluthochdruck, familiärer Nierenerkrankung, regelmäßiger Einnahme von Schmerzmitteln und bei Personen über 60 Jahren. Einmal jährlich reicht in der Regel als Kontrolle.
Kann Kreatin-Supplementierung den Kreatininwert verfälschen?
Ja. Kreatin-Nahrungsergänzungsmittel werden im Körper zu Kreatinin abgebaut und können den Serumwert erhöhen ohne dass die Nierenfunktion eingeschränkt ist. Das ist ein häufiger Grund für scheinbar erhöhte Kreatininwerte bei sportlich aktiven Personen. In diesem Fall ist Cystatin C der zuverlässigere Marker.
Was sind die Symptome einer Niereninsuffizienz?
In frühen Stadien gibt es oft keine Symptome. Später können auftreten: Wassereinlagerungen (Beine, Augen), Bluthochdruck, Müdigkeit (durch Anämie), Juckreiz, schäumender Urin (Proteinurie), veränderte Urinmenge und Übelkeit. Wer diese Symptome hat, sollte zeitnah ärztliche Hilfe aufsuchen.
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Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich zur allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Labwerte sollten immer im individuellen Kontext und in Absprache mit ihren Ärzten bewertet werden.