Harnsäure: Was erhöhte Werte bedeuten und wie Gicht entsteht

Was ist Harnsäure und wie entsteht sie?

Harnsäure ist das Endprodukt des Purinstoffwechsels. Purine sind Bestandteile der DNA und RNA und kommen in allen zellhaltigen Lebensmitteln vor. Beim Abbau von Purinen entsteht über mehrere Zwischenstufen Harnsäure, die hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden wird. Ein kleiner Teil wird über den Darm eliminiert.

Der Harnsäurespiegel im Blut ergibt sich aus dem Gleichgewicht zwischen Produktion (über Nahrung und endogenen Zellabbau) und Ausscheidung (über Nieren und Darm). Ist dieses Gleichgewicht gestört, steigt der Spiegel an.

Harnsäure ist nicht nur ein Abfallprodukt. Sie ist auch ein Antioxidans im Blut und erfüllt eine Schutzfunktion. Erst wenn der Spiegel dauerhaft zu hoch ist und Harnsäurekristalle ausfallen, entstehen Probleme.

Wann wird erhöhte Harnsäure zum Problem?

Übersteigt die Harnsäurekonzentration im Blut eine kritische Grenze (Löslichkeitsschwelle), beginnen sich Mononatriumurat-Kristalle in Gelenken, Weichteilen und Nieren abzulagern. Mögliche Folgen sind:

Ein akuter Gichtanfall beginnt typischerweise plötzlich, oft nachts, und betrifft meist ein einzelnes Gelenk, klassischerweise das Großzehengrundgelenk (Podagra). Das Gelenk ist stark gerötet, überwärmt, geschwollen und extrem druckschmerzhaft; die Beschwerden erreichen ihren Höhepunkt meist innerhalb von 12 bis 24 Stunden.

Viele Menschen haben jedoch dauerhaft erhöhte Harnsäurewerte ohne jemals einen Gichtanfall zu erleiden (asymptomatische Hyperurikämie). Ob und wann behandelt werden sollte, hängt vom Gesamtrisikoprofil ab. Eine dauerhaft erhöhte Harnsäure ist zudem häufig mit Bluthochdruck, metabolischem Syndrom und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko vergesellschaftet.

Gicht ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. In Deutschland sind schätzungsweise 1 bis 2 % der Erwachsenen betroffen, Männer deutlich häufiger als Frauen. Mit steigenden Harnsäurewerten nimmt das Risiko für einen Gichtanfall zu.
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Ursachen für erhöhte Harnsäure

Die häufigsten Ursachen lassen sich in zwei Kategorien einteilen:

Erhöhte Produktion:

Verminderte Ausscheidung:

Referenzwerte: Ab wann ist der Wert zu hoch?

Harnsäure wird in mg/dl oder µmol/l angegeben (Umrechnung: 1 mg/dl = 59,5 µmol/l).

Die Referenzbereiche variieren leicht je nach Labor und können für verschiedene biologische Geschlechter unterschiedlich angegeben werden, da das Sexualhormonprofil die renale Harnsäureausscheidung beeinflusst. Östrogen wirkt urikosurisch, fördert also die Ausscheidung. Deshalb haben Frauen vor der Menopause meist niedrigere Werte, während das Risiko nach der Menopause ansteigt.

Bei bereits bestehender Gicht wird ein Zielwert unter 6,0 mg/dl empfohlen, um das Auflösen vorhandener Kristalldepots zu fördern. Bei Tophi liegt der Zielwert noch niedriger, bei unter 5,0 mg/dl.

Was tun bei erhöhter Harnsäure?

Lebensstil:

Medikamentös: Bei wiederkehrenden Gichtanfällen oder sehr hohen Werten ist eine dauerhafte medikamentöse Therapie mit Allopurinol (hemmt die Harnsäureproduktion) oder Febuxostat sinnvoll. Die Entscheidung sollte ärztlich begleitet werden.

Häufige Fragen

Kann ich meinen Harnsäurewert als Selbstzahler bestimmen lassen?
Ja. Harnsäure kann in einem Direktlabor oder in einer Arztpraxis ohne Überweisung als Selbstzahlerleistung bestimmt werden. Labguide zeigt dir den GOÄ-Richtwert und Labore in deiner Nähe.
Muss ich nüchtern sein für die Harnsäuremessung?
Eine Nüchternheit ist für die Harnsäuremessung nicht zwingend erforderlich, aber empfehlenswert. Eine purinreiche Mahlzeit kurz vor der Blutabnahme kann den Wert leicht erhöhen. Wenn du gleichzeitig Nüchternwerte bestimmen lässt, solltest du ohnehin nüchtern zur Blutabnahme kommen.
Was tun während eines akuten Gichtanfalls?
Während eines akuten Gichtanfalls sollte das betroffene Gelenk ruhiggestellt und gekühlt werden. Entzündungshemmende Medikamente (NSAR, Colchicin oder Kortikosteroide) lindern die Symptome. Harnsäuresenkende Medikamente werden während des akuten Anfalls in der Regel nicht neu begonnen, da sie den Anfall verlängern können. Eine ärztliche Begleitung ist notwendig.
Ist Gicht eine Erkrankung durch schlechte Ernährung?
Nicht ausschließlich. Ernährung spielt eine Rolle, aber der wichtigste Faktor ist die genetisch bedingte Neigung zur verminderten renalen Harnsäureausscheidung. Viele Menschen mit schlechter Ernährung entwickeln keine Gicht, während andere mit ausgewogener Ernährung trotzdem erhöhte Werte haben. Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung mit multifaktorieller Ursache.
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Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich zur allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Labwerte sollten immer im individuellen Kontext und in Absprache mit ihren Ärzten bewertet werden.