Harnsäure: Was erhöhte Werte bedeuten und wie Gicht entsteht
Was ist Harnsäure und wie entsteht sie?
Harnsäure ist das Endprodukt des Purinstoffwechsels. Purine sind Bestandteile der DNA und RNA und kommen in allen zellhaltigen Lebensmitteln vor. Beim Abbau von Purinen entsteht über mehrere Zwischenstufen Harnsäure, die hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden wird. Ein kleiner Teil wird über den Darm eliminiert.
Der Harnsäurespiegel im Blut ergibt sich aus dem Gleichgewicht zwischen Produktion (über Nahrung und endogenen Zellabbau) und Ausscheidung (über Nieren und Darm). Ist dieses Gleichgewicht gestört, steigt der Spiegel an.
Wann wird erhöhte Harnsäure zum Problem?
Übersteigt die Harnsäurekonzentration im Blut eine kritische Grenze (Löslichkeitsschwelle), beginnen sich Mononatriumurat-Kristalle in Gelenken, Weichteilen und Nieren abzulagern. Mögliche Folgen sind:
- Gichtanfall: Plötzliche, extrem schmerzhafte Gelenkentzündung, meist im Großzehengrundgelenk. Wird durch einen akuten Anstieg oder Abfall der Harnsäure ausgelöst.
- Chronische Gicht: Bei wiederholten Anfällen und dauerhaft hohen Werten bilden sich Gichtknoten (Tophi) in Gelenken und Weichteilen.
- Nierensteine: Harnsäurekristalle können Nierensteine bilden.
- Chronische Nierenerkrankung: Dauerhaft erhöhte Harnsäure schädigt die Nierengefäße.
Ein akuter Gichtanfall beginnt typischerweise plötzlich, oft nachts, und betrifft meist ein einzelnes Gelenk, klassischerweise das Großzehengrundgelenk (Podagra). Das Gelenk ist stark gerötet, überwärmt, geschwollen und extrem druckschmerzhaft; die Beschwerden erreichen ihren Höhepunkt meist innerhalb von 12 bis 24 Stunden.
Viele Menschen haben jedoch dauerhaft erhöhte Harnsäurewerte ohne jemals einen Gichtanfall zu erleiden (asymptomatische Hyperurikämie). Ob und wann behandelt werden sollte, hängt vom Gesamtrisikoprofil ab. Eine dauerhaft erhöhte Harnsäure ist zudem häufig mit Bluthochdruck, metabolischem Syndrom und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko vergesellschaftet.
Ursachen für erhöhte Harnsäure
Die häufigsten Ursachen lassen sich in zwei Kategorien einteilen:
Erhöhte Produktion:
- Purinreiche Ernährung: Innereien, Fleisch, Hülsenfrüchte, Hefe, bestimmte Meeresfrüchte
- Hoher Alkoholkonsum, besonders Bier (enthält Guanosin, einen Purinvorläufer)
- Fruchtzucker (Fruktose): Fördert die Harnsäureproduktion direkt über den Stoffwechsel
- Erhöhter Zellabbau bei Chemotherapie, Psoriasis oder hämatologischen Erkrankungen
Verminderte Ausscheidung:
- Eingeschränkte Nierenfunktion
- Bestimmte Medikamente: Diuretika (besonders Thiazide), niedrig dosiertes Aspirin, Cyclosporin
- Genetische Veranlagung zur verminderten renalen Ausscheidung (häufigste Ursache)
Referenzwerte: Ab wann ist der Wert zu hoch?
Harnsäure wird in mg/dl oder µmol/l angegeben (Umrechnung: 1 mg/dl = 59,5 µmol/l).
- Unter 6,0 mg/dl (357 µmol/l): Normbereich und Zielwert bei bekannter Gicht
- 6,0 bis 7,0 mg/dl: Grenzwertig erhöht
- Über 7,0 mg/dl (416 µmol/l): Hyperurikämie. Bereits ab etwa 6,8 mg/dl ist das Blut mit Harnsäure übersättigt, sodass Kristalle ausfallen können. Genau deshalb liegt der Therapie-Zielwert darunter.
Die Referenzbereiche variieren leicht je nach Labor und können für verschiedene biologische Geschlechter unterschiedlich angegeben werden, da das Sexualhormonprofil die renale Harnsäureausscheidung beeinflusst. Östrogen wirkt urikosurisch, fördert also die Ausscheidung. Deshalb haben Frauen vor der Menopause meist niedrigere Werte, während das Risiko nach der Menopause ansteigt.
Was tun bei erhöhter Harnsäure?
Lebensstil:
- Alkohol reduzieren, besonders Bier und Spirituosen
- Zuckerhaltige Getränke und fruktosereiche Lebensmittel meiden
- Ausreichend Wasser trinken (mindestens 2 Liter täglich) fördert die renale Ausscheidung
- Purinreiche Lebensmittel reduzieren, ohne Gemüse mit Purinen (Hülsenfrüchte, Spinat) übermäßig einzuschränken, da deren Einfluss geringer ist als der von Fleisch und Alkohol
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht verbessert die Harnsäureausscheidung
Medikamentös: Bei wiederkehrenden Gichtanfällen oder sehr hohen Werten ist eine dauerhafte medikamentöse Therapie mit Allopurinol (hemmt die Harnsäureproduktion) oder Febuxostat sinnvoll. Die Entscheidung sollte ärztlich begleitet werden.