Blutzucker und HbA1c: Früherkennung von Diabetes und Insulinresistenz
Wie reguliert der Körper den Blutzucker?
Nach dem Essen steigt der Blutzucker (Glukose) an. Als Reaktion schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus, das Glukose in die Körperzellen schleust, wo sie als Energie genutzt oder als Glykogen gespeichert wird. Bei Nüchternheit sinkt der Blutzucker, und Glukagon sorgt dafür, dass Glukose aus den Speichern freigegeben wird.
Dieses System funktioniert so lange reibungslos, wie die Körperzellen sensibel auf Insulin reagieren. Wenn Zellen zunehmend insulinresistent werden, häufig infolge von Übergewicht, Bewegungsmangel und kalorienreicher und stark verarbeiteter Ernährung, muss die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin produzieren, um den gleichen Effekt zu erzielen. Das ist das Vorstadium von Typ-2-Diabetes.
Wer ist besonders gefährdet?
Typ-2-Diabetes entwickelt sich schleichend und ist bei der Diagnose oft schon Jahre vorangegangen. Risikofaktoren sind:
- Übergewicht, insbesondere viszerales Bauchfett
- Bewegungsmangel
- Familiäre Vorbelastung (Eltern oder Geschwister mit Typ-2-Diabetes)
- Alter über 45 Jahre
- Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette
- Früherer Schwangerschaftsdiabetes
- Bestimmte ethnische Hintergründe (z. B. südasiatische, arabische oder afrikanische Abstammung)
In Deutschland leben schätzungsweise 8–9 Millionen Menschen mit Diabetes, viele davon undiagnostiziert.
Welche Blutwerte sind relevant?
Für die Früherkennung und Verlaufsbeobachtung von Blutzuckerstörungen sind drei Parameter zentral:
- Nüchternblutzucker (Glukose): Misst den aktuellen Blutzucker nach mindestens 8 Stunden Nahrungskarenz. Aussagekräftig, aber eine Momentaufnahme.
- HbA1c: Misst, wie viel Glukose sich in den letzten 8–12 Wochen an Hämoglobin gebunden hat. Gibt ein zuverlässiges Bild der durchschnittlichen Blutzuckerbelastung, unabhängig vom letzten Essen.
- Nüchterninsulin: Kann zur Beurteilung einer Insulinresistenz eingesetzt werden, auch wenn Blutzucker noch im Normbereich liegt.
Referenzwerte: Wann besteht Handlungsbedarf?
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die Weltgesundheitsorganisation verwenden folgende Grenzwerte:
Nüchternblutzucker:
- Unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l): Normal
- 100–125 mg/dl (5,6–6,9 mmol/l): Gestörte Nüchternglukose (Prädiabetes)
- Ab 126 mg/dl (7,0 mmol/l): Diabetes (wenn an zwei Messtagen bestätigt)
HbA1c:
- Unter 5,7 % (39 mmol/mol): Normal
- 5,7–6,4 % (39–47 mmol/mol): Prädiabetes
- Ab 6,5 % (48 mmol/mol): Diabetes
Was tun bei erhöhten Werten?
Im Prädiabetes-Stadium sind Lebensstilmaßnahmen die wirksamsten Interventionen:
- Gewichtsreduktion: Bereits 5–7 % Gewichtsabnahme können den Blutzuckerstoffwechsel deutlich verbessern.
- Regelmäßige Bewegung: Ausdauer- und Krafttraining erhöhen die Insulinsensitivität. 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche werden empfohlen.
- Ernährungsanpassung: Weniger schnell verfügbare Kohlenhydrate (Weißbrot, Zucker, Süßgetränke), mehr Ballaststoffe, Hülsenfrüchte und nicht-stärkehaltiges Gemüse.
Bei manifestem Diabetes ist eine ärztliche Behandlung notwendig. Je nach Stadium kommen Metformin, weitere orale Antidiabetika oder Insulintherapie zum Einsatz.