Testosteronmangel: Woran kann man ihn erkennen und wie kann man ihn abklären

Testosteron: Mehr als nur ein Sexualhormon

Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon (Androgen) und wird hauptsächlich in den Hoden produziert, in kleinen Mengen auch in den Nebennieren. Es beeinflusst weit mehr als die sexuelle Funktion: Muskelmasse, Knochendichte, Fettverteilung, Energielevel, Stimmung, kognitive Funktionen und die Blutbildung werden alle von Testosteron reguliert.

Ab dem 30.–35. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel bei vielen Männern langsam um etwa 1-2 % pro Jahr. Diese natürliche Abnahme, umangssprachlich manchmal als "Andropause" bezeichnet, ist ein kontinuierlicher Prozess ohne klare Schwelle, anders als die Menopause bei Frauen.

Im Blut liegt Testosteron zu einem großen Teil gebunden an Proteine vor (SHBG und Albumin). Nur das freie und das schwach gebundene Testosteron sind biologisch aktiv. Bei grenzwertigem Gesamttestosteron lohnt sich daher eine zusätzliche SHBG-Bestimmung.

Wie häufig ist ein Testosteronmangel?

Ein klinisch relevanter Testosteronmangel (Hypogonadismus) betrifft schätzungsweise 2–4 % aller Männer, mit deutlicher Zunahme im Alter: Unter 40-Jährigen sind es unter 1 %, bei Männern über 70 Jahren bereits 20–30 %. Werte im unteren Normbereich sind deutlich häufiger.

Begünstigend wirken Übergewicht (besonders viszerales Fett wandelt Testosteron in Östrogen um), Schlafmangel, chronischer Stress, Bewegungsmangel und bestimmte Erkrankungen (Diabetes, Niereninsuffizienz, Leberzirrhose).

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Symptome eines Testosteronmangels

Die Symptome entwickeln sich schleichend und werden oft als normale Alterserscheinung fehlgedeutet:

Diese Symptome sind unspezifisch und können viele Ursachen haben. Nur eine Blutuntersuchung kann den Testosteronstatus objektiv beurteilen.

Testosteron hat eine ausgeprägte Tagesrhythmik: Der Spiegel ist morgens am höchsten (6–10 Uhr) und sinkt bis zum Abend deutlich ab. Für eine zuverlässige Messung sollte Blut morgens abgenommen werden.

Referenzwerte: Was gilt als Mangel?

Testosteron wird in ng/dl oder nmol/l angegeben (Umrechnung: 1 nmol/l ≈ 28,8 ng/dl). Die Referenzbereiche variieren je nach Labor und Lebensalter:

Die Europäische Gesellschaft für Urologie (EAU) empfiehlt bei Symptomen und einem Gesamttestosteron unter 12 nmol/l die Bestimmung von freiem Testosteron und SHBG sowie eine zweite Messung zur Bestätigung.

Was tun bei einem Testosteronmangel?

Lebensstilmaßnahmen: Vor einer Hormontherapie stehen Lebensstilveränderungen, die den Testosteronspiegel nachweislich verbessern können:

Testosteronersatztherapie (TRT): Bei bestätigtem Hypogonadismus mit klinischen Symptomen kann eine TRT (Gel, Injektion oder Pflaster) unter ärztlicher Aufsicht sinnvoll sein. Sie erfordert regelmäßige Kontrollen und ist nicht für jeden geeignet.

Häufige Fragen

Kann ich meinen Testosteronwert als Selbstzahler bestimmen lassen?
Ja. Testosteron gesamt kann in einem Direktlabor oder in einer Arztpraxis ohne Überweisung als Selbstzahlerleistung bestimmt werden. Für ein vollständiges Bild empfiehlt sich die kombinierte Bestimmung mit SHBG. Labguide zeigt dir GOÄ-Richtwerte und Labore in deiner Nähe.
Reicht die Bestimmung von Testosteron gesamt aus?
In den meisten Fällen ja, insbesondere als erster Schritt. Bei grenzwertigen Ergebnissen oder bei Verdacht auf erhöhtes SHBG (was freies Testosteron reduziert) ist eine Ergänzung durch SHBG sinnvoll. Das freie Testosteron kann dann rechnerisch aus Gesamttestosteron, SHBG und Albumin ermittelt werden.
Kann Testosteronmangel auch bei jungen Männern auftreten?
Ja. Neben der altersbedingten Abnahme gibt es primären Hypogonadismus (Hodeninsuffizienz) und sekundären Hypogonadismus (Störung der übergeordneten Hormonachse Hypothalamus-Hypophyse). Auch chronischer Stress, starkes Untergewicht, Anabolikaabusus in der Vergangenheit oder bestimmte Erkrankungen können bei jungen Männern zu niedrigen Testosteronwerten führen.
Ist eine Testosteronersatztherapie sicher?
Eine TRT unter ärztlicher Aufsicht ist bei geeigneten Kandidaten gut verträglich. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen: Blutbild (Hämatokrit), PSA, sowie Testosteronspiegel. TRT ist nicht geeignet bei aktivem Prostata- oder Brustkrebs, unerfülltem Kinderwunsch (TRT hemmt die Eigenproduktion und Spermienbildung) oder schwerer unbehandelter Schlafapnoe.
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Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich zur allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Labwerte sollten immer im individuellen Kontext und in Absprache mit ihren Ärzten bewertet werden.