Schilddrüsenüberfunktion: Was hinter einem niedrigen TSH-Wert stecken kann
Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?
Bei einer Hyperthyreose produziert die Schilddrüse zu viel der Hormone T3 und T4. Der gesamte Stoffwechsel wird beschleunigt: Herzfrequenz, Körpertemperatur und Energieverbrauch steigen. Die Hypophyse registriert den Überschuss und drosselt die Ausschüttung von TSH. Deshalb ist der TSH-Wert bei einer Überfunktion erniedrigt, während fT3 und fT4 erhöht sind.
Eine subklinische Hyperthyreose liegt vor, wenn TSH erniedrigt ist, aber fT3 und fT4 noch im Normbereich liegen. Sie verläuft oft ohne ausgeprägte Symptome, erhöht aber das Risiko für Herzrhythmusstörungen und Knochendichteverlust insbesondere bei länger bestehender und ausgeprägter TSH-Suppression.
Häufige Ursachen der Hyperthyreose
Die drei häufigsten Ursachen in Deutschland sind:
- Morbus Basedow (Graves-Erkrankung): Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper (TRAK, TSH-Rezeptor-Antikörper) die Schilddrüse dauerhaft stimulieren. Häufig begleitet von Augenbeschwerden (endokrine Orbitopathie) und Kropf.
- Autonomes Adenom: Ein oder mehrere Knoten in der Schilddrüse, die TSH-unabhängig Hormone produzieren. Häufiger in Jodmangelgebieten.
- Jodinduktion: Übermäßige Jodzufuhr (z. B. durch jodhaltiges Kontrastmittel oder Amiodaron) kann bei vorgeschädigter Schilddrüse eine Überfunktion auslösen.
Seltener sind Hashimoto-Thyreoiditis in der frühen Phase (vorübergehende Überfunktion), postpartale Thyreoiditis oder übermäßige Schilddrüsenhormon-Einnahme.
Symptome: Wie äußert sich eine Überfunktion?
Die Symptome der Hyperthyreose sind gewissermaßen das Gegenteil der Unterfunktion, der Körper läuft auf zu hohen Touren:
- Herzrasen, Herzstolpern oder schneller Herzschlag (Tachykardie)
- Innere Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit
- Schlafstörungen trotz Erschöpfung
- Gewichtsabnahme trotz gutem oder gesteigertem Appetit
- Wärmeintoleranz, vermehrtes Schwitzen
- Zittern der Hände (Tremor)
- Häufiger Stuhlgang bis hin zu Durchfall
- Muskelschw äche
- Bei Morbus Basedow: hervorstehende Augen (Exophthalmus), Schwellung der Schilddrüse (Struma)
Labordiagnose: Welche Werte werden gemessen?
Die Diagnose basiert auf einer Stufendiagnostik:
- TSH: Erster Schritt. Ein erniedrigter Wert (unter 0,4 mIU/l) ist Anlass zur weiteren Abklärung.
- fT3 und fT4: Zeigen, ob die Hormonspiegel bereits erhöht sind (manifeste Hyperthyreose) oder noch im Normbereich liegen (subklinische Hyperthyreose).
- TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper): Bei Verdacht auf Morbus Basedow in den meisten Fällen nachweisbar.
- Schilddrüsensonographie: Beurteilung von Größe, Struktur und Knoten, ergänzend zur Labordiagnostik.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache:
- Thyreostatika: Medikamente wie Thiamazol oder Carbimazol hemmen die Hormonsynthese in der Schilddrüse. Erste Wahl bei Morbus Basedow, besonders bei jüngeren Betroffenen.
- Radiojodtherapie: Radioaktives Jod wird gezielt von der Schilddrüse aufgenommen und zerstört überschüssiges Gewebe. Geeignet für autonome Adenome und nach Rezidiv bei Morbus Basedow.
- Operation: Teilweise oder vollständige Entfernung der Schilddrüse. Option bei großem Kropf, Krebsverdacht oder bei Wunsch nach dauerhafter Lösung.
Nach Radiojodtherapie oder Operation entwickelt sich häufig eine Hypothyreose, die dann mit L-Thyroxin behandelt wird.