Folsäuremangel: Wer gefährdet ist und warum eine Messung sinnvoll sein kann

Was ist Folsäure und wozu braucht der Körper sie?

Folsäure (synthetische Form) und Folat (natürlich vorkommende Form) sind Bezeichnungen für Vitamin B9. Es ist ein wasserlösliches Vitamin, das der Körper nicht selbst herstellen kann und über die Nahrung oder Supplemente aufnehmen muss.

Folat ist unentbehrlich für die DNA-Synthese und Zellteilung. Gewebe mit hoher Zellerneuerungsrate wie Knochenmark und Darmschleimhaut sind besonders darauf angewiesen. Folat und Vitamin B12 werden für die Bildung roter Blutkörperchen benötigt. Eine unzureichende Folatversorgung kann außerdem den Homocysteinspiegel erhöhen.

Der Referenzwert für die Folatzufuhr steigt in der Schwangerschaft von 300 auf 550 µg Folatäquivalente pro Tag. Zusätzlich werden bei Kinderwunsch und im ersten Schwangerschaftsdrittel täglich 400 µg Folsäure oder eine äquivalente Dosis anderer Folate empfohlen.

Wer ist besonders gefährdet?

Ein Folsäuremangel kann jeden treffen, ist aber bei bestimmten Gruppen besonders häufig:

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Symptome eines Folsäuremangels

Ähnlich wie ein Vitamin-B12-Mangel kann ein Folatmangel zu einer megaloblastären Anämie führen. Dabei sind die Vorläufer der roten Blutkörperchen vergrößert und die Blutbildung ist gestört. Mögliche Symptome sind:

Im Gegensatz zum B12-Mangel verursacht ein isolierter Folsäuremangel keine Nervenschäden. Allerdings kann Folsäure, wenn sie supplementiert wird, ohne B12-Mangel zu beheben, die Anämie scheinbar korrigieren und so neurologische Schäden durch B12-Mangel verschleiern.

Referenzwerte und Labortests

Folat kann im Serum oder in den Erythrozyten gemessen werden. Serumfolat reagiert schneller auf die aktuelle Zufuhr. Erythrozytenfolat bildet die Versorgung über einen längeren Zeitraum ab. Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor und Messmethode.

Ein erhöhter Homocysteinwert kann den Verdacht stützen, ist aber nicht spezifisch für einen Folatmangel. Auch ein Vitamin-B12-Mangel und andere Faktoren können Homocystein erhöhen.

Höhere Folsäuredosen können die Blutbildveränderungen eines gleichzeitigen Vitamin-B12-Mangels bessern, während neurologische Schäden fortschreiten. Vor einer längerfristigen Behandlung sollte deshalb auch Vitamin B12 berücksichtigt werden.

Behandlung und Vorbeugung

Ernährung: Gute Quellen für natürliches Folat sind grünes Blattgemüse (Spinat, Feldsalat, Brokkoli), Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen), Avocado, Orangen und Weizenkeime. Folat ist hitzeempfindlich, schonendes Garen erhält mehr davon.

Supplementierung: Die Dosis zur Behandlung eines nachgewiesenen Mangels richtet sich nach Ursache und Ausprägung und sollte ärztlich festgelegt werden. Häufig verwendete Präparate enthalten 400 bis 800 µg Folsäure. Übliche MTHFR-Varianten sind kein Grund, Folsäure grundsätzlich zu meiden oder zwingend 5-MTHF zu verwenden.

Frauen mit Kinderwunsch: Zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung werden täglich 400 µg Folsäure oder eine äquivalente Dosis anderer Folate empfohlen. Die Einnahme sollte mindestens vier Wochen vor der Schwangerschaft beginnen und bis zum Ende der zwölften Schwangerschaftswoche fortgesetzt werden.

Häufige Fragen

Kann ich meinen Folsäurestatus als Selbstzahler testen lassen?
Ja. Folsäure im Serum kann in einem Direktlabor oder in einer Arztpraxis ohne Überweisung als Selbstzahlerleistung bestimmt werden. Labguide zeigt dir den GOÄ-Richtwert und Labore in deiner Nähe.
Wird Folsäure in der Schwangerschaft von der Krankenkasse übernommen?
Die Bestimmung des Folsäurespiegels wird von der Krankenkasse in der Regel nicht routinemäßig übernommen. Das Folsäure-Präparat selbst ist verschreibungspflichtig in hoher Dosierung und kann auf Kassenrezept verordnet werden, wenn ein medizinisch begründeter Bedarf vorliegt.
Ist natürliches Folat besser als synthetische Folsäure?
Beide Formen erfüllen denselben Vitaminbedarf. Natürliches Folat stammt vor allem aus Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Synthetische Folsäure ist stabiler und wird besser aufgenommen. Deshalb wird sie in klar dosierbaren Präparaten zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten eingesetzt.
Was ist der Unterschied zwischen Folsäure und Folat?
Folat ist der Oberbegriff für die verschiedenen Formen von Vitamin B9. Folsäure ist die synthetisch hergestellte Form, die in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln verwendet wird. Sie ist gut untersucht und hilft nachweislich, Neuralrohrdefekten vorzubeugen. Auch Menschen mit häufigen MTHFR-Varianten können Folsäure verarbeiten.
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Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich zur allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Labwerte sollten immer im individuellen Kontext und in Absprache mit ihren Ärzten bewertet werden.