Folsäuremangel: Wer gefährdet ist und warum eine Messung sinnvoll sein kann
Was ist Folsäure und wozu braucht der Körper sie?
Folsäure (synthetische Form) und Folat (natürlich vorkommende Form) sind Bezeichnungen für Vitamin B9. Es ist ein wasserlösliches Vitamin, das der Körper nicht selbst herstellen kann und über die Nahrung oder Supplemente aufnehmen muss.
Folat ist unentbehrlich für die DNA-Synthese und Zellteilung. Gewebe mit hoher Zellerneuerungsrate wie Knochenmark und Darmschleimhaut sind besonders darauf angewiesen. Folat und Vitamin B12 werden für die Bildung roter Blutkörperchen benötigt. Eine unzureichende Folatversorgung kann außerdem den Homocysteinspiegel erhöhen.
Wer ist besonders gefährdet?
Ein Folsäuremangel kann jeden treffen, ist aber bei bestimmten Gruppen besonders häufig:
- Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere: Der Bedarf ist erhöht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, mindestens vier Wochen vor der Empfängnis bis zum Ende der zwölften Schwangerschaftswoche täglich 400 µg Folsäure oder eine äquivalente Dosis anderer Folate einzunehmen.
- Personen mit Alkoholmissbrauch: Alkohol hemmt die Folsäureaufnahme und -verwertung stark.
- Magen-Darm-Erkrankungen: Zöliakie, Morbus Crohn und entzündliche Darmerkrankungen reduzieren die Resorption.
- Bestimmte Medikamente: Methotrexat, Trimethoprim und manche Antiepileptika greifen in den Folatstoffwechsel ein.
Symptome eines Folsäuremangels
Ähnlich wie ein Vitamin-B12-Mangel kann ein Folatmangel zu einer megaloblastären Anämie führen. Dabei sind die Vorläufer der roten Blutkörperchen vergrößert und die Blutbildung ist gestört. Mögliche Symptome sind:
- Müdigkeit, Schwäche, Blässe (durch Anämie)
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Entzündliche, glatte oder gerötete Zunge
- Mund- und Zungengeschwüre
- Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme
- Erhöhter Homocysteinspiegel ohne direkt wahrnehmbare Beschwerden
Im Gegensatz zum B12-Mangel verursacht ein isolierter Folsäuremangel keine Nervenschäden. Allerdings kann Folsäure, wenn sie supplementiert wird, ohne B12-Mangel zu beheben, die Anämie scheinbar korrigieren und so neurologische Schäden durch B12-Mangel verschleiern.
Referenzwerte und Labortests
Folat kann im Serum oder in den Erythrozyten gemessen werden. Serumfolat reagiert schneller auf die aktuelle Zufuhr. Erythrozytenfolat bildet die Versorgung über einen längeren Zeitraum ab. Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor und Messmethode.
- Serum-Folat unter 3 ng/ml (6,8 nmol/l): Mangel
- Serum-Folat 3 bis 5 ng/ml: je nach Labor grenzwertiger Bereich
Ein erhöhter Homocysteinwert kann den Verdacht stützen, ist aber nicht spezifisch für einen Folatmangel. Auch ein Vitamin-B12-Mangel und andere Faktoren können Homocystein erhöhen.
Behandlung und Vorbeugung
Ernährung: Gute Quellen für natürliches Folat sind grünes Blattgemüse (Spinat, Feldsalat, Brokkoli), Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen), Avocado, Orangen und Weizenkeime. Folat ist hitzeempfindlich, schonendes Garen erhält mehr davon.
Supplementierung: Die Dosis zur Behandlung eines nachgewiesenen Mangels richtet sich nach Ursache und Ausprägung und sollte ärztlich festgelegt werden. Häufig verwendete Präparate enthalten 400 bis 800 µg Folsäure. Übliche MTHFR-Varianten sind kein Grund, Folsäure grundsätzlich zu meiden oder zwingend 5-MTHF zu verwenden.
Frauen mit Kinderwunsch: Zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung werden täglich 400 µg Folsäure oder eine äquivalente Dosis anderer Folate empfohlen. Die Einnahme sollte mindestens vier Wochen vor der Schwangerschaft beginnen und bis zum Ende der zwölften Schwangerschaftswoche fortgesetzt werden.